Die Welt aus der Sicht eines Golden Retrievers

Monatsarchiv: März 2015

Gina Telefonieren

Sonnigen Tag! Weil Ostern vor der Tür steht, beginne ich meinen neuen Blog-Eintrag mit einem Zitat aus einem dicken Buch, das ich auf Herrchens Schreibtisch gefunden habe. Es heißt „Bibel“ und darin steht: „Herr züchtige mich nicht in deinem Zorn! Weis mich doch nicht so grimmig zurecht!“ (6. Psalm)

Diese Verse könnten von uns Wauzis gedichtet worden sein, denn genau das geht uns durch den Kopf, wenn unsere Herrchen (oder Frauchen) mal wieder mordsmäßig mit uns schimpfen. In ihren Augen waren wir „böse“ und haben Strafe verdient. Obwohl wir die Bedeutung von „gut“ und „böse“ überhaupt nicht kennen und von Natur aus unschuldig sind – aber das ist eine andere Geschichte.

Auch mein Herrchen kann mir gegenüber aufbrausend und ungerecht werden. Er reagiert zum Beispiel wütend, wenn ich nach seinem ersten Pfiff oder Ruf nicht sofort angeflitzt komme. Seine Stimme wird dann immer lauter und sein Ton stetig unfreundlicher. Er denkt wohl, dass ich nicht gehorchen will – doch das ist ein Irrtum, dem viele Herrchen und Frauchen aufsitzen. Ich ignoriere den Befehl, weil ich in diesem Moment nicht gehorchen kann. Es gibt für mich nämlich gerade etwas viel Wichtigeres zu tun, etwa Stöckchen kauen oder nach Mäusen graben. Da die Zweibeiner aber ein riesiges Ego besitzen und glauben, es existiere auf der Welt nichts Wichtigeres als sie, sind sie freilich in ihrer Eitelkeit gekränkt, wenn wir Fellnasen ihnen die kalte Schulter zeigen. Dabei verhalten sie sich in manchen Situationen ganz genauso wie wir und reagieren auch nicht in Windeseile auf antrainierte Kommandos. Sehr schön kann man das beim Telefonieren beobachten, was auf Niederländisch passenderweise „bellen“ heißt. 🙂

Wie oft habe ich es schon erlebt, dass das Handy meines Herrchens klingelte und er den Anruf nicht entgegen nahm – obwohl er bereits als Kind gelernt hat, ranzugehen wenn es läutet. Aber in jenen Augenblicken ist er mit einer Sache beschäftigt, die ihm wichtiger erscheint als das Telefongespräch. Folglich lässt er es klingeln und klingeln (so wie ich ihn rufen lasse, wenn ich im Wald Stöcke knabbere) und murmelt: „Jetzt nicht! Ich rufe später zurück!“

Und das ist auch exakt meine Denkweise. „Jetzt komme ich nicht auf deinen Pfiff, Herrchen! Ich rufe dich später zurück!“ Denn ebenso wie Herrchen jeden Anruf irgendwann beantwortet, so laufe ich immer wieder brav zu ihm zurück. Nach dem vierten oder fünften Ruf renne ich übrigens besonders rasch. Nicht weil seine Stimme so einladend klingt, sondern weil ich Angst habe, dass seine Halsschlagader platzt – und von wem bekomme ich dann mein Futter? 😉

Ich wünsche euch ein schönes Osterfest, auf dass euch die Herrchen und Frauchen eine große Portion „Verständnis“ und „Vertrauen“ ins Körbchen legen – die Grundlagen eines fröhlichen Zusammenlebens zwischen Zwei- und Vierfüßlern.

Eure Gina

P.S.: Im Aufstöbern von Ostereiern bin ich super-spitze! Das liegt an den spannenden Such-Spielen, die ich täglich trainiere. Mehr dazu beim nächsten Mal!

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